
Ein Abendessen in toller Gesellschaft ist ein vielschichtiges Ritual – wenn es um Alkohol geht, beginnt es mit einem Aperitif und endet mit einem Digestif. Letzterer soll den Gästen bei der Verdauung helfen, damit sie die Feier gut gelaunt verlassen und am Morgen ein gutes Gefühl haben. Was ist ein Digestif und welche Alkohole gehören zu dieser Kategorie? Wie und wann trinkt man ihn nach den Regeln des Savoir-vivre?
Zwei Pole eines Abendessens
Wenn es um Essen, Alkohol und opulente Empfänge geht, sind die Italiener wahre Meister! Niemanden, der schon einmal dabei war, wird ein bescheidenes Frühstück aus starkem Kaffee und Schokoladenkuchen mehr überraschen. Wenn in Italien zu einer Party, einem Bankett oder sogar zu einem gewöhnlichen Familienessen eingeladen wird, werden die Gäste mit Sicherheit nicht hungrig gehen! Eine wichtige Rolle spielen dabei neben dem Wein der Aperitif und der Digestif – was ist das und was wird dazu und dazwischen serviert?
Eine italienische Feier beginnt mit einem Aperitif. Dies kann ein leichter Grün- oder Weißwein oder Prosecco sein – pur oder als Cocktail. Auf den Tellern werden Vorspeisen serviert: Käse, Meeresfrüchte, gebratenes Gemüse. Dann werden den Gästen erlesene Weinsorten angeboten: von Weißweinen über Roséweine bis hin zu Rotweinen. Zu jedem davon können sie einen Teller mit einem vollwertigen, warmen Gericht erwarten, das sie unbedingt probieren müssen!
Wer sich bereits satt fühlt, kann den Tisch jedoch nicht verlassen. Bevor die Gäste nach Hause gehen, müssen sie ein Glas Digestif trinken – was bedeutet das für sie? Nach üppigen Mahlzeiten ist es Zeit für ein kleines Glas Muskateller, zu dem jeder Gast noch handgemachte und augenschmeichelnde Pasticceria erhält. Nach dem Genuss des süßen Weins oder Kräuterlikörs zur Verdauung können sie sicherlich ruhig schlafen! Zum Frühstück passen zwar nur ein kleiner, starker Kaffee und ein Gebäck, aber sie müssen sich keine Sorgen um Magenschmerzen machen!
Digestif-Arten
In vielen verschiedenen Kulturen gibt es den Brauch, Digestif zu trinken – was bedeutet das aber, dass er gut für die Verdauung ist? Welche Getränke gehören zu dieser Kategorie? Sicherlich findet man in jedem Land Kräuterliköre und -schnäpse, die der Definition entsprechen. Dies können z.B. italienische Fernet oder Amaro, tschechischer Becherovka oder deutscher Jägermeister sein. Diese Rolle spielt auch ein selbstgemachter Likör mit würzigem Geschmack. Alle erinnern in ihrem Aroma etwas an Medizin, die sich positiv auf die Produktion von Magensäften auswirkt – was besonders nach Partys und Empfängen wichtig ist.
Digestif – Alkohol für die Verdauung – das sind nicht nur Kräutergetränke. Nach dem Abendessen kann man auch einen wärmenden, jungen Cognac oder einen Obstbrand servieren. Erfrischender Limoncello, hausgemachter Zitronenlikör und sogar Anis-Ouzo eignen sich ebenso hervorragend.
Gläser für Digestif
Das Servieren von Digestifs in den passenden Gläsern hängt von der gewählten Spirituose ab. Wenn der Gastgeber sich für einen Likör oder Schnaps entscheidet, eignen sich kleine Stielgläser hervorragend. Es lohnt sich, solche zu wählen, die stilistisch zum vorhandenen Geschirr auf dem Tisch passen.
Für Personen, die Cognac oder Calvados bevorzugen, sind Cognac- oder Brandygläser mit einem Fassungsvermögen von 150-250 ml ausgezeichnet. Diese zeichnen sich durch ein geringeres Fassungsvermögen als andere Cognacschwenker aus, wodurch sie ideal zu einer symbolischen Menge Digestif passen.
Savoir-vivre beim Digestif-Trinken
Das letzte Glas Alkohol, in Polen scherzhaft „Rozchodniaczek“ genannt, sollte gemäß den für die jeweilige Art des Getränks geltenden Savoir-vivre-Regeln getrunken werden. Es ist wichtig, dies noch am Tisch sitzend zu tun und alle wichtigen Gespräche abzuschließen. Trotz vollem Magen kann man immer noch viele Geschmacksnoten und Aromen des servierten Getränks wahrnehmen.
Inspiriert von italienischen Bräuchen kann man Digestif mit starkem Kaffee und einem Stück Kuchen oder einer anderen Süßigkeit servieren. Entgegen allen Erwartungen helfen sie dabei, sich zu entspannen und… bis zum Morgen gut zu schlafen.